Aktuelles

27. September 2016

"Der Holocaust hat mich geprägt, aber das liegt hinter mir"

In einer Sonderausstellung zeigt die Stiftung Topographie des Terrors [ab dem 28. September], wie die deutsche Wehrmacht systematisch ganze Dörfer durch Massenerschießungen vernichtete. Claire Boren konnte rechtzeitig fliehen, ihr Vater jedoch nicht. Sie überlebte den Krieg in einem Erdloch. Claire Boren wirkt viel jünger. Ihre zierliche Figur, ihre sanften Gesichtszüge, ihre fast scheue, sanftmütige Art. Auch die vielen Lachfältchen um ihre rehbraunen Augen verraten kaum etwas über ihre schreckliche Kindheit. "In mir steckt aber auch viel Ärger und Zorn", sagt sie und lächelt dabei. 

Deutschlandradio Kultur
27. September 2016

Fotograf Luigi Toscano zeigt in Kiew 50 Porträts von Holocaust-Überlebenden

Am kommenden Donnerstag jährt sich das Massaker von Babij Jar zum 75. Mal. Die Mordaktion an der Schlucht bei Kiew war die größte Einzelmordaktion im Zweiten Weltkrieg. Zur Gedenkfeier wird es einen großen Staatsakt geben, zu dem auch der Mannheimer Fotograf Luigi Toscano geladen ist. Dessen Porträtbilder über Holocaust-Überlebende werden entlang des Parks an der Gedenkstätte gezeigt. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen über die Anfänge der Gedenkkultur in der Ukraine und die besonderen Momente, die er bei seinem Projekt „Gegen das Vergessen“ erlebte.  

Bürstädter Zeitung
27. September 2016

Brutal, zynisch, systematisch

Die IG Metall erinnert mit der Ausstellung „Aktion Reinhard“ an den geplanten Judenmord. In die Betroffenheit über die Brutalität, über den Zynismus, die Menschenverachtung mischt sich Beklemmung über die Aktualität der Verfolgung, die aus politischen und religiösen Gründen betriebene Vernichtung von Völkern, Glaubensgemeinschaften, Städten und Kulturdenkmälern. Dass der „Tod ein Meister aus Deutschland“ ist, zeigt deutlich die Ausstellung „Aktion Reinhardt – Sie kamen ins Ghetto und gingen ins Unbekannte“ der Gedenkstätte Majdanek, die Wolfsburgs IG-Metall-Chef Hartwig Erb im Gewerkschaftshaus eröffnete. 

Braunschweiger Zeitung
27. September 2016

Späte Ehrung für couragierte Helfer

Die „Steine der Erinnerung“ in Wien kennt man lang schon – die in den Boden eingelassenen Erinnerungen vor den Häusern jüdischer Bürger, die im Zweiten Weltkrieg deportiert wurden. Nun soll das Netzwerk an Erinnerungen in der Stadt wachsen, denn auch an den Häusern besonders couragierter Wiener sollen Erinnerungstafeln angebracht werden. Eine solche wurde jüngst am Haus der Familie Ölsinger in der Leyserstraße im 14. Bezirk enthüllt. 

DiePresse.com
27. September 2016

Fakten gegen das Vergessen

In der ehemaligen Taubstummenanstalt Michelfeld lebten neben den Gehörlosen auch geistig Behinderte und psychisch kranke Frauen. Viele von den Letztgenannten wurden während der Jahre des Nationalsozialismus verfolgt und zu Tode gequält. Auch die Schwestern konnten den Abtransport der Bewohnerinnen nicht verhindern. Jahrzehnte wurde dieses traurige Kapitel in der hiesigen Einrichtung nicht öffentlich behandelt. Wohl auch aus dem Grund, weil die traumatischen Erfahrungen innerlich noch lange weiterlebten. So blieben die schrecklichen Ereignisse lange Zeit im Dunkeln. Jetzt aber gibt es einen Arbeitskreis, der sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und Fakten gegen das Vergessen sammelt. 

O-Netz
27. September 2016

Wie die Polen den Juden halfen

Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke wird am 27. September im Rathaus eine neue Ausstellung über mutige Menschen während der NS-Diktatur eröffnen. Die Sonderschau mit dem Titel „Sie riskierten ihr Leben“ zeigt Gesichter, Geschichten und Motive von Polen, die Juden retteten. Sie dokumentiert den historischen Kontext der deutschen Besatzung und veranschaulicht die Bedingungen, unter denen Juden gerettet wurden sowie den Umfang, in welchem die Polen Hilfe leisteten.  

Sächsische Zeitung Online
27. September 2016

Die Geheimsache Kuno kommt ans Licht

Die Spurensuche hinterlässt Spuren: Ab 8. Oktober ist offiziell ein 150-seitiges Magazin über das geheime Waldwerk Kuno bei Zusmarshausen und andere Rüstungsanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Augsburger Land erhältlich. Auf 150 Seiten wird nicht nur zusammengefasst, was im Geheimwerk Kuno passiert ist. Auch das KZ Gablingen und das Paraxolwerk bei Welden sind ein Thema. Dazu gibt es viele bislang unveröffentlichte Bilder. Erstmals zu sehen ist beispielsweise ein Luftbild, auf dem das KZ Burgau zu erkennen ist. Nicht nur die Baracken heben sich deutlich ab, sondern auch die Laufwege zwischen den Unterkünften, in denen 1000 kranke und erschöpfte jüdische Frauen untergebracht waren. 

Augsburger Allgemeine
27. September 2016

Warum Ernst Lossa, 14, sterben musste

Mehrere Stunden kämpft Ernst Lossa mit dem Tod. Am späten Abend des 8. August 1944 injiziert eine Krankenschwester dem Jungen eine Überdosis des Schlafmittels Luminal. Laut Totenschein stirbt er am folgenden Nachmittag. Ernst Lossa wurde nur 14 Jahre alt. Ein aufgewecktes, unangepasstes Kind. Er war einer von rund 2400 Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren und der Nebenanstalt Irsee, die im Zuge des NS-Euthanasieprogramms ermordet wurden. Bis heute ist in der Anstalt eine Klinik untergebracht. "Das Schicksal des Jungen hat mich sofort in seinen Bann gezogen", sagt der ärztliche Direktor Michael von Cranach. Der Psychiater kam 1980 nach Kaufbeuren. Er fand Hunderte Krankenakten getöteter Patienten im Anstaltsarchiv und wurde so auf Lossas Geschichte aufmerksam. 

Spiegel Online
27. September 2016

Der Verlust der Zeitzeugen

Ernst Grube, 83, seufzt. „Es wird weitergehen wie bisher“, sagt der ehemalige NS-Verfolgte, der als Kind einer jüdischen Mutter ins KZ Theresienstadt verschleppt wurde. Doch der Tod von „Max“, wie er den verstorbenen Max Mannheimer nennt, hat ihn hart getroffen – auch deshalb, weil die Zahl derer, die über die NS-Schrecken erzählen können, immer kleiner wird. Die KZ-Gedenkstätte Dachau, die jedes Jahr Anfang Mai die Befreiungsfeier veranstaltet, beobachtet diesen Verlust auch. Etwa 20 ehemalige Häftlinge kamen beim letzten Mal. 

Oberbayerisches Volksblatt
27. September 2016

"Rächer" Joseph Harmatz ist tot

Der Holocaust-Überlebende Joseph Harmatz ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren, wie sein Sohn bestätigte. Harmatz war Mitglied der jüdischen Geheimorganisation "Nakam", die es sich zum Ziel gesetzt hatte, sich für den Holocaust an Deutschland zu rächen. Im April 1946 versuchte die Gruppe, Tausende Deutsche zu vergiften. Dazu hatten sich "Nakam"-Mitglieder in einer Bäckerei anstellen lassen, die für das Kriegsgefangenenlager in Langwasser bei Nürnberg zuständig war - dort hielten die Amerikaner etwa 12.000 SS-Soldaten gefangen. Drei "Nakam"-Mitglieder vergifteten zwei Stunden lang etwa 3000 Brotlaibe mit einem Arsen-Gemisch, einem der giftigsten Elemente. Harmatz überwachte die Operation außerhalb der Bäckerei. 

Spiegel Online
27. September 2016

"Der eindrucksvollste Mensch, dem ich bisher begegnet bin"

Der Autor Manfred Lütz hat für sein neues Buch Gespräche mit dem Auschwitz-Überlebenden Jehuda Bacon geführt und bilanziert: Er habe noch nie erlebt, dass man selbst aus dem Erlebnis im Vernichtungslager eine humanistische Botschaft heraushole. Bacon sehe selbst in den bösesten Menschen noch etwas Gutes, "den göttlichen Funken auch im SS-Mann", sagte Lütz im Deutschlandfunk. 

Deutschlandfunk
26. September 2016

Lern- und Gedenkstätte in Walldorf eröffnet

Für Leslie Schwartz aus New York war die Eröffnung der Gedenkstätte der ehemaligen KZ-Außenstelle Walldorf gestern etwas Besonderes. Der 86-jährige ungarisch-amerikanische Jude ist einer der Überlebenden des Holocaust, der als Autor und Redner gegen das Vergessen ankämpft. „Ich selber saß in Auschwitz und kam ins Arbeitslager Birkenau und später nach Dachau. In Auschwitz trennte man mich von meiner Mutter und meiner Schwester Judith sowie meiner Halbschwester Eva. Eva starb in Auschwitz“, berichtete Schwartz, der seine Geschichte bereits an mehr als 1000 Schulen in Deutschland, Dänemark, Schweden und den USA erzählt hat. 

Frankfurter Neue Presse
26. September 2016

"Weiße Rose" ein Vorbild für junge Menschen

Im Kempener Kulturforum wurde gestern zum Auftakt der Interkulturellen Woche eine Ausstellung über die Widerstandsgruppe "Weiße Rose" eröffnet. Sie ist bis 23. Oktober zu sehen. Es war ein eindrucksvoller Vormittag gestern in der Paterskirche. Zu Beginn der Interkulturellen Woche, organisiert vom Arbeitskreis Multikulturelles Forum, wurde die Ausstellung "Weiße Rose" eröffnet. Grünen-Ratsherr Jeyratnam Caniceus hatte die Ausstellung, die bundesweit gezeigt wird, nach Kempen geholt. Durch alle Wortbeiträge schwang an diesem Morgen die Mahnung mit, den Gedanken der Gruppe "Weiße Rose", nämlich die Zivilcourage gegen Unrecht, auch heute weiter zu leben. 

Rheinische Post Online
26. September 2016

Differenzierte Erinnerung

Mit Zeitzeugengesprächen und Kranzniederlegungen hat die Gedenkstätte Sachsenhausen am Wochenende an das sowjetische Speziallager erinnert, das vor 71 Jahren in das ehemalige Konzentrationslager verlegt wurde. Die Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 ühle sich dazu immer wieder aufgerufen, sagte deren Vorsitzender Joachim Krüger. Nicht nur starben etwa 12000 Häftlinge des Speziallagers."Die, die überlebt haben, waren für ihr Leben gezeichnet", so Krüger. 

Märkische Onlinzeitung
26. September 2016

Zum Tod von Max Mannheimer: Die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Zeitzeugen wie der verstorbene Auschwitz-Überlebende Max Mannheimer sind für die Geschichtsschreibung wichtig. Das Bewahren ihrer Erzählungen ist moralische Pflicht für alle Jüngeren. Solange sich Menschen aus eigenem Erleben daran erinnern, was an Gutem und Schlechtem im 20. Jahrhundert passiert ist, ist die Vergangenheit nicht Geschichte. Sie reicht, und sei es nur durch die Existenz jener Zeugen, bis in die heutige Zeit. Wenn die Zeugen nicht mehr leben, ist es die Aufgabe aller Interessierten und natürlich der Historiker, die Erinnerung als solche, aber auch die Erinnerungen der Zeugen zu bewahren und zu veröffentlichen - damit, wie Herodot schrieb, "das durch Menschen Geschehene nicht mit der Zeit in Vergessenheit gerät". 

Süddeutsche Zeitung
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63. Bundesweites Gedenkstättenseminar, Oranienburg / 22.–24. Juni 2017

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